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AM RANDE

In diesem Band stellen wir also zwei Maler vor: Der eine, André Masson, ist sehr bekannt; bei ihm geht es uns um eine Übergangsperiode, und zwar die Nachkriegszeit, so wie sie sein Freund Georges Limbour in brillanten und köstlichen Kritiken zu Massons Ausstellungen geschildert hat. Die Gunst, wie sie plötzlich ein Pariser Salon des Réalités Nouvelles genoss, sowie das Entstehen verschiedener „abstrakter“ Kunstströmungen gingen Masson wie Limbour gegen den Strich und brachten sie dazu, theoretische und praktische Überlegungen zu formulieren, bei denen der Lyrismus, weit entfernt davon zur Abstraktion zu führen, eine Richtung hin zu „den Reichen der Brüderlichkeit und den vier Elementen“ einschlägt, wo der Maler endlich „die lebendigen Augen dem Fenster der Kunst öffnet“ (Masson). Ein brillanter Aufsatz von Françoise Nicol umreißt diese Fragen.

Die andere – die mehr Anerkennung verdient – ist die Malerin Jacqueline Lamba: Ihre Persönlichkeit und ihr Werdegang sind völlig verkannt worden, abgesehen vielleicht von ein paar Literaturkritikern, die wissen, dass sie einige entscheidende Jahre lang mit André Breton verheiratet war, oder abgesehen von einigen Kunstkritikern, die wissen, dass sie ein reichliches Jahrzehnt lang die Lebensgefährtin des amerikanischen Skulpteurs David Hare war. Dabei sah sie sich selbst als Malerin und war es auch; zunächst stand sie dem Surrealismus nahe, dann, als sie sich von diesem Streben abgewandt hatte, befragte sie rastlos die Formen, die Farbaufträge und die Lichteinfälle, die ihrer Sensibilität entsprechen mochten. Ihre komplexe und starke Persönlichkeit und ihre Freiheitsliebe zeigen sich hier in zahlreichen Reproduktionen – von ausgewählten Werken aus allen Lebensphasen – und ganz bemerkenswert auch in der kurzen Biografie und den Anmerkungen von Martine Monteau. Auszüge aus Postkarten und Briefen, die Jacqueline im letzten Lebensviertel an die befreundeten Maler Jacques Bibonne und Martine Cazin richtete, erfüllen diese Persönlichkeitsskizze mit Leben.

Platz für zwei kritische Aufsätze: Laura Santone hat die uns befreundete Malerin und Dichterin Giovanna gelesen und ihr zugehört; deren Text und deren äußerst komplexen Sprachspielen widmet sie eine sachkundige und sehr anregende Studie. Wir haben uns das Vergnügen nicht entgehen lassen, als Kontrapunkt dazu, einige der von ihr betrachteten Seiten Giovannas in einem fortgesetzten „Block“ noch einmal aufzunehmen. Michel Izard wiederum hat uns seine beachtlichen Reflexionen zu den Zusammenhängen zwischen dem Denken Walter Benjamins und dem des Surrealismus anvertraut.

Schließlich noch, mit aller Notwendigkeit, Platz für die Poesie: Zwei Lyriker, Michel Passelergue und Christian Désagulier, bringen uns ihre – sehr unterschiedliche – Klangfarbe zu Gehör. Der matten Diskretion von Passelergue steht der Glanz des langen, verschraubten Sprachflusses von Désagulier gegenüber, dessen Gedicht „Cristallisation“ sich auf zweierlei Weise lesen lässt: Vers für Vers von Anfang bis Ende und von links nach rechts, oder aber als zwei parallele, vertikale Blöcke, aus denen sich vielleicht – implizit und zentral – die Silhouette des von Stendhal beschworenen kristallbesetzten Ästchens herauskristallisiert.

Übersetzt von Ina Pfitzner

 

 
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