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AM RANDE

Eine seltsames Licht – eine Mischung aus Humor und Tragik – fällt auf den ersten Block der hier vorliegenden Texte: das „Maulwurfslicht“, das Maurice Fickelson gegen unsere Blindheit setzt, aber auch die glühende Klarheit von Unica Zürn. Allerdings datiert Unica Zürns Text, den uns die kürzlich verstorbene Ruth Henry erstmals in französischer Übersetzung angeboten hatte, schon von 1959. So zieht Unica am Beginn ihrer Erkrankung eine erste Bilanz ihres Doppellebens, zwischen dem „Normalen“ und „dem anderen Zustand“, auf Seiten, die sie „in großer Angst“ verfasste. Man versteht also, mit welcher Inbrunst sich Ruth den Seiten derjenigen zuwendet, die ihre Freundin werden sollte. Das harte Licht der Photographien von Claude Cahun, die Mireille Calle-Gruber hier vorstellt, nimmt deren Tenor wieder auf – „am Buge von sich selbst schaffen“ – so wie auch der Aufsatz von Benjamin Andréo, der die „Phantomwerdung“ im Werk von Artaud untersucht.

Eine ganz andere Klangfarbe ist die der Lyriker aus Louisiana, die uns Adelaide Russo präsentiert. Bei diesen Texten von Cajuns und Kreolen handelt es sich um Liebesballaden, doch mehr noch zeugen sie von Zorn oder Auflehnung: leidenschaftliche Verteidigung einer Minderheitensprache, bittere Erinnerung an die Vertreibung der Cajuns aus Akadien (Grand Dérangement), Entsetzen über die Gleichgültigkeit der Natur wie auch die des Menschen gegenüber dem Menschen. Hier ist auch der Protest von Remedios Varo einzuordnen, den Catherine Garcia ausgehend von drei plastischen Arbeiten eingehend analysiert hat.

Abschließend noch eine sarkastische Note: Axel Hémery katapultiert uns in die Geschichte einer chaotischen Kleinfamilie, in der sich das Weibliche und das Männliche spaltet und wechselseitig ersetzt. Und was die ausführliche Betrachtung des Bildschaffens von Jules Perahim durch verschiedene Autoren angeht, so zeigt sie den komplexen und fruchtbringenden Werdegang eines 1914 geborenen Rumänen, dem es in der Ausübung seines träumerischen Werkes gelingt, existentielle Schwierigkeiten zu sublimieren.

So stellen wir uns auf diesen neuen Seiten einem vielfältigen und anspruchsvollen Material, aus dem der Schalk hervorblitzt und das vom schwarzen Humor über die Revolte bis zum Sarkasmus reicht.

Übersetzt von Ina Pfitzner

 

 
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