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AM RANDE

Zwei große Blöcke eröffnen diesen Band.

Wir beginnen mit einer Reihe von unveröffentlichten Studien und Dokumenten zu Leonora Carrington, der in Europa noch zu wenig bekannten englischen Malerin und Schriftstellerin, die es in den Wirren des Zweiten Weltkriegs nach Mexiko verschlug und die dort blieb: „Mexiko habe ich schon im Blut,“ schrieb sie an Henri Parisot, nachdem sie ihm von ihrer Abscheu vor „der Gleichgültigkeit, die die Menschen umgibt, und der Kruste von ewigem Dreck“ berichtet hatte. In den Jahren nach dem Krieg unterstützte sie der großzügige englische Sammler und Schriftsteller Edward James (1907-1984); ihr Briefwechsel ist äußerst interessant. War es nicht Leonora, die Edward James mit ihrer wunderbaren Weisheit tröstete, sie, die man gemeinhin für wunderlich oder bestenfalls für eine Hexe hält? Es ist höchste Zeit, an diesem Bild zu rütteln.

Es folgt ein langer und packender Aufsatz über Joe Bousquet im Jahre 1925: eine sehr fundierte und auf nützliche Weise detaillierte Studie. Denn wie sollte man ohne gewissenhafte historische Analyse, die sich an den unveröffentlichten Briefwechsel anschließt, die Rezeption dieses Werdeganges in der öffentlichen Vorstellung verstehen wie auch die Schwierigkeiten eines Menschen, der—vom Schicksal ans Bett gefesselt, wie man so sagt— sich im Surrealismus als Ort der grundlegenden Auflehnung gegen die „Welt wie sie ist“ wiederfindet und andererseits das Croix de guerre entgegennahm oder auch als Schriftsteller letztendlich kaum in den engeren Kreis um Breton aufgenommen wurde?

Doch auch der Reichtum der anderen Beiträge soll hervorgehoben werden.

Von Seiten der Poesie bieten wir noch eine Oppositionelle: die Surrealistin Giovanna, deren Erfindungsgeist wir treu bleiben und die ausgesprochen nach unserem Geschmack ist, aber auch zwei Dichter mit freiem wie luftigem Geiste: Abdelkébir Khatibi, den die Société des gens de lettres kürzlich mit ihrem Grand Prix de poésie 2008 geehrt hat und dessen sämtliche Werke (um deren Fortsetzung es sich hier handelt) im gleichen Jahr bei den Éditions de la Différence verlegt wurden; Henri Michaux, absolute Referenz des 20. Jahrhunderts, dieser Tage womöglich ein wenig in Vergessenheit geraten, mit dem sich der Dichter und Kritiker François Lallier befasst hat.

Ein Kunstdossier beschließt diesen Band: Es geht um Gerardo Chavez, den großen peruanischen Maler, der in seinen brutalen, intensiv fleischlichen Werken Bilder aus fernen Räumen und Zeiten braut, die in einer beeindruckenden Vision konvergieren.

Übersetzt von Ina Pfitzner

 

 
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