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Nachlese Literarischer Salon 2.9.2005

Ein Schillernder Abend

Angefangen hatte es so:Mein Nachbar, der Maler Peter Schmidt-Schönberg, hatte mich im Frühjahr gefragt, ob ich zum diesjährigen Schillersommer in seiner Warnemünder Galerie „Im Meer der Farben“ einen Abend gestalten wollte. Ich wollte, am 25. Juli 2005, und Christina Meßner hatte auch Lust--wir hatten uns bei einem Volkshochschulkurs „Vom Umgang mit der Stimme“ angefreundet. Zunächst musste ich mir schnell einen Titel für das Plakat ausdenken: „Das Ideal und das Leben“ (nach einem Gedicht des Dichters von 1795). Christina interessierte sich besonders für Schillers Privatleben und seine Dreiecksgeschichte mit den Schwestern Charlotte und Caroline, während ich mich quer durch Schillers Werke las und, auf Anregung von John Pizer, auf die Frauendialoge in den Dramen stieß.

Am Nachmittag vor der Aufführung in Warnemünde wählten wir aus, ordneten, übten und schmiedeten aus diesen Versatzstücken ein Ganzes. Ein kurzer Spaziergang am grauen, regnerischen Meer und dann unser abendlicher Auftritt in der Galerie: Auf einer kleinen Bühne sitzend trugen wir unsere Collage aus biographischen und fiktiven Texten, Briefauszügen und Passagen aus Schillers Dramen vor. Es war intensiv, und die darauffolgenden Gespräche zeigten, dass wir dem Publikum Schiller in einem ungewohnten Licht zeigen konnten. Also planten wir einen Salon.

Beim Salon am Freitag, den 2. September 2005, in meinem Wohnzimmer ist alles ganz anders: Wir sitzen auf dem roten Sofa mit den bunten Kissen, das meine verletzte Katze widerstrebend mit uns teilt, flauschiger Teppich, umrundet von Sesseln und Stühlen und Büchern und Menschen. Es ist entspannter und vielleicht weniger spannungsvoll, und einmal verhaspele ich mich, weil ich die falsche Seite 162 vor mir liegen habe.--Eine kleine Atempause, mit Fragen, Kommentaren und Überlegungen zu der Frage, wer nach Goethe der bedeutendste deutsche Dichter sei—Lessing, Heine, aber auch Brecht werden genannt. (Weitere Vorschläge und Meinungen?)

Dann Szenenwechsel: Wir gehen in den Musiksalon der Nachbarwohnung. Hier wohnen Peter Schmidt-Schönberg (Tenor—Rezitativ) und Gertrud Petersen (Piano), und dort steht auch der Flügel. Wir erleben möglicherweise eine Weltpremiere: Gertrud spielt „Die Bürgschaft“ in der Fassung von Franz Schubert, während Peter das Gedicht dazu rezitiert. Es ist ausdrucksstark und dramatisch, und wir können gut folgen. Leider gibt es keine Zugabe, doch Gertrud demonstriert noch das kleine Cembalo. Dann kehren wir in den Salon zurück und reden und trinken noch bis spät.

Bis zum nächsten Mal!

Herzliche Grüße

Ina Pfitzner

 

 

 

 

 
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